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Wann du einen Prolog für deinen Roman schreiben solltest – und wann nicht

Lektorat Roman - der Prolog

Ein typisches Problem, dem ich beim Lektorat eines Romans immer wieder begegne, ist der Prolog. Oftmals scheint mir, als sei den Autoren dort draußen gar nicht klar, was ein Prolog überhaupt ist. Insbesondere im Genreroman und hier besonders bei Krimis und Fantasyromanen taucht immer öfters ein Prolog auf, der eigentlich gar keiner ist oder der einfach nicht als solcher taugt.

Was ist ein Prolog?

Nun, erst einmal nichts anderes als eine Vorgeschichte, die der eigentlichen Geschichte vorausgeht und ohne die es schwer wäre, der eigentlichen Handlung zu folgen. Ein Prolog hat also direkten Einfluss auf die folgende Geschichte, meist wird innerhalb der Handlung später der Prolog aufgedeckt / geklärt. Und hier stehen die meisten Autoren vor dem ersten Problem. Was ist wichtig genug, damit es in einem Prolog Erwähnung findet?

 

Denn einfach nur erzählen, was in der Vorgeschichte der eigentlichen Handlung geschehen ist, macht noch längst keinen guten Prolog aus, ganz im Gegenteil: Die meisten Prologe, die ich bisher gelesen und deren Bücher ich lektoriert habe, waren stinklangweilig, weil sie eben nur erzählt haben. Was wäre wohl gewesen, wenn J.K. Rowling sich in ihrem ersten Harry Potter-Band dazu entschlossen hätte, einen Prolog zu schreiben, in dem erzählt wird, was Harry widerfahren ist? Ungefähr so:

 

"An einem trüben Abend nahm sich Lord Voldemort vor, den kleinen Harry Potter zu töten. Voldemort wollte die Herrschaft über die Zauberer- und Mugelwelt an sich reißen. So geschah es, dass er in das Haus eindrang, aber Harrys Eltern vorfand, die das Kind schützten. Deshalb brachte er seine Eltern um und wollte auch Harry töten, doch sein Zauberspruch ging nach hinten los, und so überlebte Harry mit einer gezackten Narbe auf der Stirn, die ihn immer an Voldemort und den Abend erinnern sollte."

 

Das ist sicher nicht sehr originell, aber so ein Prolog hätte keine Chance. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch ein Prolog eine Handlung aufweisen muss, damit der Leser neugierig wird. Ein Prolog ist keine Nacherzählung und auch kein Mittel, um den Leser in die nachgelagerte Handlung einzuführen. Denn was einst passiert ist und was die Folgen sind, erfährt der Leser am besten durch die Handlung des Romans, die Dialoge, die Charaktere. Der obige Prolog, den ich mir mal eben so aus den Fingern gesaugt habe, wird also in den Büchern von Harry Potter durch die Handlung an den Leser herangetragen.

 

Mein Tipp: Steige direkt in die Handlung ein, ohne einen Prolog voranzustellen. Wirklich ganz ganz selten ist es notwendig und sinnvoll, einen Prolog zu verwenden. Einen solchen kannst du immer noch häppchenweise zwischen Dialoge und Handlung platzieren. Der Leser wird das gar nicht richtig bemerken, sondern denken, dass das ja gerade zur Szene gehört.

 

Und eines noch zum Schluss: Glaube ja nicht, dass deine Geschichte nur wegen einem Prolog an Bedeutung gewinnt oder du fortan der höheren Literatur zuzuordnen bist. Mit einem Prolog, der keiner ist, ziehst du deine Geschichte ins Lächerliche.

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