Lektorat und Korrektorat - der Unterschied

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie stehen im örtlichen Buchladen und entdecken einen Roman, weil Ihnen das Cover besonders gut gefällt. Sie lesen den Klappentext auf der Rückseite. Dann schlagen Sie die erste Seite des Buches auf, weil sie interessiert sind, doch schon nach wenigen Sekunden legt sich Ihre anfängliche Euphorie. Irgendwie will der Funke nicht so recht überspringen, Sie können aber nicht sagen, woran das genau liegt. Denn alles ist perfekt geschrieben, Sie entdecken keine Rechtschreibfehler. Aber trotzdem runzeln Sie die Stirn und stellen das Buch enttäuscht in das Regal zurück, widmen sich dem nächsten. Wir fassen zusammen: Sie haben das Buch nicht etwa aufgrund von Rechtschreibfehlern aus der Hand gelegt. Es war irgendetwas anderes.

 

Und hier kommt der Lektor ins Spiel. Er nimmt sich Ihr Manuskript zur Brust und liest Ihren Roman kritisch gegen. Er fragt sich also: Ist das alles wirklich wichtig? Muss der Leser das wissen? Versteht das der Leser? Kann er sich etwas darunter vorstellen, wenn Sie "animalisch böse" schreiben? Lässt sich das nicht vielleicht besser, bildlicher ausdrücken? Reagieren Ihre Figuren angemessen und kann sich der Leser in sie hineinversetzen? Ist es möglich und nachvollziehbar, dass Max Müller plötzlich eine Gleichung lösen kann, auch wenn er eine absolute Null in Mathe ist? War London zwanzig Seiten zuvor nicht Prag? Und sind beide Städte wirklich nur 100 Kilometer voneinander entfernt?

 

Ein Lektor prüft aber ebenso, ob Ihr Manuskript sprachlich taugt. Eine flapsige Ausdrucksweise ist beispielsweise für einen Krimi ungeeignet. Wen Sie dazu neigen, allzu oft schwache Verben zu benutzen (Max Müller schlenderte auf seinen Widersacher zu anstatt Max Müller rannte auf ihn zu), das von Natur aus blaue Meer noch blauer machen wollen oder an jeder wörtlichen Rede einen Begleitsatz anhängen, obwohl nur zwei Personen sprechen, dann greift der Lektor rigoros zum digitalen Rotstift in Form der Löschtaste, bis Ihnen schlecht wird.  Das Gelöschte sehen Sie. Jede Änderung, jeden Vorschlag werden Sie nachvollziehen können, jedes Komma, jeden Punkt. Vorschlag? Ja! Alles, was ich Ihnen ankreide, ist als Vorschlag zu verstehen. Und Sie müssen sich allen Vorschlägen widmen und sie annehmen oder ablehnen.

 

Der Lektor foltert Sie. Nicht körperlich, aber er stellt Ihre Geduld auf eine harte Probe. Nicht nur das - Sie werden lernen müssen, mit Kritik (und zwar mit heftiger) umzugehen. Stellen Sie sich darauf ein, sich von Dingen zu verabschieden. Denn auch das gehört dazu. Sie werden vielleicht Figuren lebewohl sagen müssen, die Ihnen ans Herz gewachsen sind. Sie werden Absätze, ja ganze Kapitel umkrempeln müssen. Nur damit es passt und der Leser zufrieden ist. Wenn Sie an den Markt, die Öffentlichkeit gehen wollen, schreiben Sie nicht mehr für sich, sondern für Ihre Leser. Und Sie müssen sich dem beugen. Verlassen Sie Ihre Traumvorstellung, das alles, was Sie geschrieben haben, gut, spannend und notwendig ist.

 

Trotzdem möchte ich nochmal betonen: Ich schlage Ihnen nur Dinge vor. Sie sind der Verfasser Ihres Romans, Sie entscheiden. Ich empfehle Ihnen, meine Vorschläge und Änderungen anzusehen und kritisch zu hinterfragen. Aufzwingen werde ich Ihnen aber nichts. Das wäre dann Ghostwriting. Sie werden Ihren Roman nach dem Lektorat immer noch als den Ihren erkennen, nur eben polierter, feingeschliffener. Es ist Ihr Diamant, und Sie entscheiden, ob er weiterhin blass wirkt oder glänzt. Ja, Sie können den Lektor sogar als Ihren Feind betrachten, das kommt auf Sie an. Oder als Ihren Lehrmeister. Aber mal ganz ehrlich: Warum sollten Sie einen Feind honorieren? Wäre es nicht viel angenehmer, sich den Vorschlägen zu widmen und sich die gleichen Dinge zu fragen, wie es der Lektor ebenso getan hat?

 

Den Korrektor, der das Korrektorat durchführt, kümmert das alles nicht. Ihm ist es egal, dass die Fahrt von Berlin nach Stuttgart mit dem Zug nur 10 Minuten dauert und dass Max zehn Seiten zuvor Michael hieß. Der Korrektor schläft mit dem Duden als Bibel abends ein, träumt nachts davon und wacht morgens wieder mit dem Buch unter dem Arm auf. Ihn kümmern keine langen Sätze. Er achtet nur penibel darauf, dass der Hund beißt (anstatt beist), er macht aus Schiffahrt das Wörtchen Schifffahrt. Und er sorgt dafür, dass Rheinland Pfalz weiterhin Rheinland-Pfalz bleibt.

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