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Wann braucht mein Roman ein Lektorat?

Jeder Autor wünscht sich, das Wörtchen ENDE auf die letzte Seite seines Romans zu setzen. Aber wie geht es dann weiter? Vermutlich (hoffentlich) wirst du dein Werk überarbeiten – und zwar so lange, bis du selbst damit zufrieden bist. Vielleicht wirst du es Bekannten und Freunden zum Lesen geben. Wenn du gut sind, bietest du Auszüge davon sogar in Foren an oder – noch besser – gibst es auserkorenen Testlesern. Du bist also so richtig zufrieden mit deinem Werk, die letzten paar Schritte sind getan. Dann erstellst du noch schnell ein Exposé und – hoppla! Da trudeln auch schon die Eindrücke der Testleser und deiner Freunde ein. Können sich sehen lassen! Alle finden die Geschichte toll, die Figuren realitätsnah, die Spannung ist fast zum Zerreißen. Und du selbst sagst dir, dass du gute Arbeit geleistet hast. Die Buchveröffentlichung in einem großen Publikumsverlag rückt für dich in greifbare Nähe. Dann sendest du die ersten E-Mails mit deinem Manuskript oder einer Leseprobe heraus und wartest Wochen, Monate.

 

Doch eines Nachts wachst du auf. Irgendetwas stimmt nicht, irgendwie beschleicht dich ein ungutes Gefühl. Du blickst dich im Raum um, starrst an die Decke, die du nicht sehen kannst, weil es dunkel ist, aber du weißt, sie ist da. Du schläfst den Rest der Nacht schlecht oder gar nicht. Die nächsten Tage und Wochen verstreichen, aber kein Verlag antwortet dir.

 

Und spätestens hier solltest du dich fragen, ob dein Roman vielleicht nicht doch ein Lektorat vertragen könnte. Fehlende Antworten sind nicht nur ein zeitliches Problem seitens der Verlage, wie gerne behauptet wird. Es zeigt auch, dass dein Werk vermutlich qualitativ nicht recht überzeugen konnte. Und glaube mir: Wenn ein Manuskript überzeugt, meldet sich ein Verlag – auch wenn dort die Hölle los ist. Verlage sind ständig auf der Suche nach talentierten Autoren.

 

Wenn dich auch nur der Hauch eines Zweifels beschleicht, dir Bauchschmerzen bereitet, du beim Lesen deiner Seiten "irgendwie" ein ungutes Gefühl hast – all das sind Zeichen, dass etwas mit deinem Text nicht stimmt. Es reicht nicht, einfach Buchstabe für Buchstabe aneinanderzureihen (auch wenn Stephen King genau das behauptet). Die Geschichte muss überzeugen, sie muss zum Beispiel authentisch sein in der Welt, in der dein Roman angesiedelt ist. Ein Beispiel: Warum beschweren wir uns nicht, wenn Harry Potter seinen Zauberstab schwingt und "Wingardium Leviosa" ruft? Weil die Geschichte in der ausgedachten Welt in sich stimmig ist. Klingt einfach. Und doch wieder nicht.

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